Der Kreisverband Potsdam von Bündnis 90/Die Grünen kritisiert scharf die kurzfristig angekündigte Schließung von Geburtshilfe und Gynäkologie am St. Josefs-Krankenhaus zum 1. August.
Sozialverträgliche Lösungen für die Beschäftigten
„So kann man mit Beschäftigten nicht umgehen. Wer über Jahre Verantwortung für Schwangere und Neugeborene übernommen hat, hat es verdient, rechtzeitig informiert zu werden – nicht über die Zeitung. Jetzt braucht es schnell sozialverträgliche Lösungen. Das gilt gerade auch für die angestellten Hebammen, die teils erst vor wenigen Monaten in ein Angestelltenverhältnis gewechselt sind und deren sozialrechtliche Absicherung jetzt nicht ungeklärt bleiben darf. Beide Häuser stehen in der Verantwortung, diesen Übergang fair zu organisieren“, sagt Rebecca Lea Freudl, Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Potsdam.
Schwangere kurz vor der Geburt dürfen nicht allein gelassen werden
Besonders dringlich ist die Lage für Frauen, die ihre Entbindung in den kommenden Wochen fest im St. Josefs-Krankenhaus geplant hatten. Für sie bedeutet die Schließung kurz vor dem errechneten Geburtstermin einen abrupten Wechsel von Klinik, Hebamme und vertrauten Ansprechpersonen.
„Wer in den nächsten Wochen im Josefs entbinden wollte, darf jetzt nicht allein gelassen werden. Diese Frauen brauchen eine reibungslose, persönlich begleitete Übergabe an das Ernst-von-Bergmann-Klinikum“, so Freudl.
Bewährte Geburtskonzepte und sichere Versorgung müssen erhalten bleiben
Am St. Josefs-Krankenhaus gab es geburtshilfliche Angebote, die stark nachgefragt waren – etwa die selbstbestimmte, familiäre Geburtsbegleitung. Diese Ansätze dürfen mit der Schließung nicht einfach verschwinden. Zugleich muss das Ernst-von-Bergmann-Klinikum nicht nur die Versorgung für Potsdam, sondern auch für ein größeres Einzugsgebiet etwa in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming mitdenken. Die Potsdamer Geburtshäuser sind ein wichtiger Teil der geburtshilflichen Versorgung und sollten gestärkt werden, ersetzen aber keine klinische Geburtshilfe – insbesondere nicht bei Risikoverläufen.
„Was am Josefs gut funktioniert hat, sollte das Bergmann-Klinikum nach Möglichkeit mit übernehmen. Eine selbstbestimmte Geburt muss in Potsdam weiterhin möglich sein – schließlich sind wir stolz darauf eine familienfreundliche Stadt zu sein“, fordert Anna-Lena Zohren, ebenfalls Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Potsdam.
„Jede Geburt braucht Zeit, Aufmerksamkeit und genug Personal. Wenn das Bergmann künftig rund 600 Geburten im Jahr zusätzlich auffangen muss, braucht es eine klare personelle Aufstockung im Kreißsaal und auf den Stationen. Überfüllte Kreißsäle und zu wenig Personal sind ein Sicherheitsrisiko für Schwangere, Gebärende und Neugeborene. Das muss geklärt werden, bevor Fakten geschaffen werden“, warnt Zohren.
Babyklappe muss zum Ernst-von-Bergmann-Klinikum wechseln
Ungeklärt ist bislang das Schicksal der einzigen Babyklappe Brandenburgs, die sich am St. Josefs-Krankenhaus befindet. Dazu erklärt Freudl:
„Die einzige Babyklappe Brandenburgs darf mit der Schließung nicht einfach verschwinden. Sie muss zum Ernst-von-Bergmann-Klinikum wechseln, damit Frauen in Brandenburg auch weiterhin diesen letzten Ausweg haben“.
Vergütung der Geburtshilfe ist ein Armutszeugnis
„Was in Potsdam passiert, ist Teil eines größeren Trends: Kreißsäle schließen landesweit, die Wege für Schwangere werden länger. Gleichzeitig reden alle über sinkende Geburtenzahlen und Familienfreundlichkeit. Beides passt nicht zusammen“, so Freudl. „Es ist ein Armutszeugnis, dass ausgerechnet die Geburtshilfe finanziell so schlecht gestellt ist, dass wir bundesweit einen derart drastischen Rückbau erleben.“
Rücksichtloses Hauruckverfahren nicht hinnehmbar
Eine Krankenhausreform mag richtige Ziele verfolgen – das entbindet nicht von der Pflicht, sie umsichtig und sozialverträglich umzusetzen. Wenige Wochen Vorlauf reichen weder für Beschäftigte noch für betroffene Familien, um sich auf eine solche Zäsur einzustellen. Das gilt umso mehr, wenn einschneidende Änderungen in mehreren Bereichen beider Häuser nahezu gleichzeitig bekanntgegeben werden.
„Wir kritisieren dieses rücksichtslose Hauruck-Verfahren beider Häuser aufs Schärfste. Jetzt zählt, dass Beschäftigte fair behandelt werden und sozialverträgliche Lösungen gefunden werden, dass Schwangere nicht allein gelassen werden, das Bergmann personell aufgestockt wird und die Babyklappe erhalten bleibt“, fassen Freudl und Zohren zusammen.
„Wir wollen eine verlässliche, wohnortnahe Gesundheitsversorgung für Frauen und Familien in Potsdam und der Region. Genau die steht gerade auf dem Spiel. Wie eine Gesellschaft mit Geburtshilfe umgeht, sagt viel darüber aus, welchen Stellenwert sie Frauen, Familien und der nächsten Generation tatsächlich einräumt – das nehmen wir so nicht hin!“
Pressekontakt
Dr. Rebecca Lea Freudl
Kreisvorsitzende, Bündnis 90/Die Grünen Potsdam
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