Jugendgewalt in Potsdam: Bündnisgrüne fordern konkrete Präventionsoffensive an Schulen

Die Bündnisgrünen kritisieren die migrationspolitische Überbietungsschlacht auf Landesebene angesichts der jüngsten Gewalttaten in Potsdam: Innenminister Jan Redmann (CDU) rückt mit seiner „Abschiebe-Taskforce“ Härte und Abschiebungen in den Vordergrund und deutet Jugendgewalt bei Jugendlichen mit Migrationsgeschichte pauschal als Integrationsversagen. Dabei blendet er Ursachen wie individuelle Entwicklung, soziale Belastungen und Gruppendynamiken aus, die bei anderen Jugendlichen selbstverständlich betrachtet werden.

Sozialminister René Wilke (SPD) erkennt zwar an, dass Jugendgewalt kein migrationsspezifisches Problem ist, Abschiebungen keine Lösung bieten und Prävention notwendig ist – als erste Maßnahme veranlasst er aber beschleunigte Schutzstatusprüfungen.

Die Potsdamer Bündnisgrünen fordern neben einer konsequenten Strafverfolgung nun eine gezielte Präventionsoffensive an ausgewählten Potsdamer Schulen, ergänzt durch aufsuchende Jugendsozialarbeit im öffentlichen Raum.

REBECCA LEA FREUDL, Kreisvorsitzendeerklärt dazu:

„Wenn Jugendliche Angst haben, sich frei in ihrer Stadt zu bewegen, und Eltern um ihre Kinder fürchten, haben wir ein ernstes Problem. Die Betroffenen brauchen Schutz, die Täter klare Konsequenzen. Härteparolen und rassistische Stimmungsmache machen Potsdam aber nicht sicherer“.

MARLEN BLOCK, Beisitzerin im Kreisvorstand und Expertin für Innen- und Sicherheitspolitik, ergänzt:

„Jugendgewalt ist kein spezifisches Problem junger Migranten. Wir haben es vor allem mit männlich geprägten Gewalt- und Gruppendynamiken zu tun. Wer die Debatte auf die Herkunft der Täter verengt, blendet die Ursachen männlicher Gewaltbereitschaft und jugendlicher Kriminalität aus. Wir brauchen eine evidenzbasierte Debatte statt immer neuer Härteparolen“.

Dass solche Gewaltdynamiken kein migrationsspezifisches Phänomen sind, zeigen auch das Hooliganmilieu und junge rechtsextreme Gewaltgruppen. Zu den relevanten Einflussfaktoren zählen Armut, soziale Belastungen, Gruppendruck und die Inszenierung von Gewalt auf Plattformen wie TikTok.

Für Potsdam fordern die Bündnisgrünen deshalb eine gezielte Präventionsoffensive: An Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf sollen Gewaltpräventionsprogramme und geschlechterreflektierte Jugendarbeit gestärkt werden. Hinzukommen müssen Medienbildung gegen digitale Gewalt und Gruppendruck, engere Elternarbeit und mehr aufsuchende Jugendsozialarbeit. Betroffene und gewaltauffällige Jugendliche sowie ihre Familien brauchen niedrigschwellige psychosoziale Beratung und bei Bedarf psychotherapeutische Hilfe. Die städtische Taskforce muss dazu gemeinsam mit Schulen, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe konkrete Maßnahmen entwickeln. Neben konsequenter Polizeiarbeit, schnellen Justizverfahren und wirksamem Opferschutz muss vor allem früher angesetzt werden.

FREUDL sagt dazu:

„Schulen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Dort erreichen wir junge Menschen, bevor sich gewaltbereite Gruppendynamiken verfestigen. Entscheidend ist, dass aus der Arbeit der städtischen Taskforce jetzt konkrete, dauerhaft wirksame Angebote werden. Wir nehmen hier René Wilke beim Wort: „Statt mit beschleunigte Schutzstatusprüfungen die Abschiebedebatte in den Vordergrund zu rücken, sollte der Sozialminister dafür sorgen, dass das Land seiner Verantwortung für die Finanzierung der Prävention nachkommt“.

MICHA DIRKS, BEISITZER FÜR DIE GRÜNE JUGEND IM KREISVORSTAND ergänzt:

„Statt Menschen gegeneinander auszuspielen, müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass junge Menschen in Potsdam sicher aufwachsen. Statt immer neuer Abschiebedrohungen, braucht es auch leicht zugängliche psychosoziale Beratung und Therapieangebote gerade auch für junge Menschen, die Krieg, Verlust und Flucht erleben mussten“.

Dortustraße: Bündnisgrüne Pots…